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3. Sonntag vor der Passionszeit ? Septuagesimae
Lobet ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Ein Lobpreis seiner Herrlichkeit sollen wir sein ? wir alle, die wir durch Christus von Hoffnung erfüllt sind!

 

 

Abschied von Dekan Klaus-Peter Brill
Bleibende Spuren hinterlassen
"So einen tollen Dekan bekommen wir nie wieder"
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Zum Abschied sein erstes Selfie: Dekan Klaus-Peter Brill (rechts im Bild) mit Kaplan André Lemmer. Bild: Ludwig / GNZ

Gelnhausen (jol). „So einen tollen Dekan bekommen wir nie mehr wieder“, zitierte Dr. Hans-Henning Kappel aus dem Kirchenvorstand der Marienkirche. Auch wenn dies vielleicht ein bisschen übertrieben scheint, zeigte sich bei der sehr herzlichen Verabschiedung von Klaus-Peter Brill am Sonntag deutlich, dass der Dekan des Kirchenkreises Gelnhausen in elf Jahren seines Wirkens mit seinem respekt- und humorvollen sowie zielstrebigen Vorgehen bleibende Spuren hinterlassen hat.

„Damit sind Sie frei von jeglichen Dienstverpflichtungen“, verkündete Prälat Bernd Böttner im Gottesdienst zur Verabschiedung von Dekan Klaus-Peter Brill in der Marienkirche.
Die evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck und deren Bischof Martin Hein bedankten sich herzlich für das engagierte Wirken in mehr als 25 Jahren als Gemeindepfarrer und elf Jahren als Dekan im Kirchenkreis Gelnhausen. In seiner Predigt nutzte Brill die Gelegenheit, Weggefährten vor allem für den respekt-, aber auch liebevollen Umgang zu danken. Sich den Menschen zuzuwenden und ihnen in Freud und Leid zur Seite zu stehen, das sei eine der Hauptaufgaben eines Pfarrers und Dekans. Zudem berichtete Brill auch von den wundervollen Weihnachtsgottesdiensten am Untermarkt.

„Den 24. Dezember 2014 werde ich nie vergessen, als ein Komet mit Schweif beim Segen über den Himmel in Richtung Wächtersbach raste“, sagte der Dekan. Dass sich der „Komet“ später als Rest einer Sojus- Rakete herausstellte, habe dem besonderen Eindruck keinen Abbruch getan. Das Ereignis übertreffe sogar den Fernsehgottesdienst mit Bischof Martin Hein ein Jahr zuvor. Besonders sei auch immer der Gelnhäuser Hageltag gewesen, bei dem im Rahmen der Ökumene an die Beinahe-Katastrophe vor fast 300 Jahren gedacht wird.

„In diesem Jahr habe ich mit dem jungen Kaplan André Lemmer zum ersten Mal ein Selfie gemacht“, berichtete Klaus-Peter Brill mit einem Lächeln. Ein weiteres mit dem katholischen Kollegen sollte zwei Stunden später beim Empfang im Romanischen Haus folgen, bei dem Brill auch die gute Zusammenarbeit mit Dechant Markus Günther lobte, den er in Großenlüder kennenlernte.

Nach dem Gottesdienst, der von Bezirkskantor Sascha André Heberling sowie der Kantorei der Marienkirche und dem Posaunenchor Wächtersbach mitgestaltet wurde, wechselten die vielen Besucher in das Romanische Haus, um sich persönlich zu verabschieden. Unter der Regie von Dr. Stephan Wiegand, Vorsitzender der Kreissynode, kamen weitere Weggefährten des Dekans zu Wort. Landrat Thorsten Stolz freute sich, viele Jahre Hand in Hand gearbeitet zu haben. Vor allem in der Flüchtlingskrise habe Dekan Brill Worten auch Taten folgen lassen und die Entscheidung getroffen, zur Betreuung der Menschen auch Geld in die Hand zu nehmen. Als dienstältester Dekan im ehemaligen Sprengel Hanau verabschiedete sich Dekan Bengt Seeberg im Namen der Kollegen. „Das Wirken im Glauben und unserer Kirche wird immer analog sein. Und Dekan Klaus-Peter Brill ist ein durchweg analoger Mensch, der anderen zugewandt ist“, lobte Seeberg. Dem müsse man auch in einer digitalen, immer schneller werdenden Welt treu bleiben. Auch die herzlichen Worte des Gelnhäuser Bürgermeisters Daniel Glöckner sowie seines Wächtersbacher Kollegen Andreas Weiher zeigten, dass Brill trotz aller Probleme und Herausforderungen immer einen guten Weg gemeinsam mit den Menschen gegangen ist. „Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, habe ich gedacht: So muss ein Dekan aussehen“, meinte Weiher. In den folgenden Jahren habe sich gezeigt, dass dies nicht nur das Äußere betrifft. Vor allem die Aufwertung der Notfallseelsorge, die komplett mit Pagern zur Alarmierung ausgestattet wurde, habe die gute Zusammenarbeit auf eine neue Ebene gebracht. Die Pfarrer Bettina von Haugwitz, Beate Rilke und Günther Kaltschnee zeigten ebenfalls große Zuneigung und Bewunderung für den Dienstvorgesetzten, der neben einem breiten Kreuz auch immer Lob in Form von Kärtchen oder Schokolade dabei hatte. „Zuckerbrot und Peitsche, aber die Peitsche habe ich nie gebraucht“, meinte Klaus-Peter Brill, dessen zugehöriges Adjektiv für die Pfarrer „brillant“ ist, trocken.

Bewunderung brachte dem 63-Jährigen auch die Eigenschaft ein, Entscheidungen gemeinsam mit den Menschen zu treffen. Dabei wurde auf die Zusammenführung der Kirchenkreise verwiesen wie auf das Engagement aus Meerholz, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Eigentlich wollte Brill, der mit seiner Familie in Gelnhausen bleiben wird, seinen Dank, vor allem für seine Frau Annegret und seine Gelnhäuser Kollegen Uwe Steuber und Rainer Schomburg an den Schluss stellen, doch Dr. Hans-Henning Kappel hatte das letzte Wort und zitierte, wie eingangs erwähnt, aus dem Gelnhäuser Gemeindevorstand. Einem Ende wohnt auch immer ein Anfang inne: Bis Anfang 2020 wird die stellvertretende Dekanin Beate Rilke die Amtsgeschäfte übernehmen. Danach soll Dekan Wilhelm Hamann die Leitung des neu zusammengeschlossenen Kirchenkreises Kinzigtal übernehmen.

 

Dieser Artikel ist in der Gelnhäuser Neuen Zeitung vom 22.1.2019 erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.